Bewohner finden ihr NESt

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Neue Ecke Stellingen - NESt

An der Ecke Kieler Straße/Sportplatzring, einer der verkehrsreichsten Kreuzungen Hamburgs, ist ein neues Mietshaus entstanden. Nicht wirklich ein Ort zum Wohnen, so scheint es auf den ersten Blick. Doch das Pilotprojekt Neue Ecke Stellingen – kurz NESt genannt – hat erfolgreich den Gegenbeweis angetreten.

Bis zu 120.000 Fahrzeuge passieren die Kreuzung Kieler Straße/Sportplatzring täglich. Dort, wo heute der Neubau steht und damit der lange verwaisten Ecke wieder ein Profil gibt, befand sich früher ein Sammelsurium kleinerer gewerblich genutzter Gebäude. Assoziieren konnte man diesen Ort früher vor allem mit einem Antiquitäten-
handel, der dort seinen Sitz in einem alten Gebäude hatte, und der schlichten Tatsache, dass gleich hinter der Ecke die Auffahrt auf die A7 liegt. Doch die Zeiten haben sich geändert. Im Rücken der Neuen Ecke Stellingen ist derzeit ein neues großes Wohnquartier in Planung.

Durch geschickten Flächentausch wird auf dem Gebiet der heutigen Sportplätze am Sportplatzring Raum für Hunderte von Wohnungen geschaffen. Der geplante Autobahndeckel und der weitere Ausbau des Fahrradwegenetzes werden langfristig dazu beitragen, dass Stellingen sein Gesicht verändern und als Wohnlage an Qualität gewinnen wird. Im Rahmen all dieser Veränderungen stellt die Bebauung der Neuen Ecke Stellingen einen kleinen, aber nicht unwesentlichen Baustein dar. Sie setzt an der städtebaulich schwierigsten Stelle ein Signal und wird damit zum Impulsgeber für weitere städtebauliche Entwicklungen im Umfeld.

Das als Energieeffizienzhaus 40 (EnEV 2009) errichtete und mit Mitteln der Hamburger Wohnungsbaukreditanstalt (heute IFB Hamburg) geförderte Gebäude erfüllt alle Anforderungen an den Emissionsschutz und kann trotzdem mit der Optik eines normalen Wohngebäudes aufwarten. Die verglasten Loggien zur Straßenseite stellen dabei eine wichtige Facette im Schallschutzkonzept dar und suggerieren gleichzeitig einen ähnlich hohen Fensteranteil wie bei anderen Wohngebäuden. Außerdem stellen sie den Bewohnern einen Außenraum zur Verfügung, der durch seine geschützte Anlage den Wohnraum erweitert. 55 Wohneinheiten, alles Zwei-Zimmer-Wohnungen mit Größen zwischen 43 und 65 m2,

dazu drei Gewerbeeinheiten und ein Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss umfasst das komplett barrierefreie Gebäude, das zudem über eine Tiefgarage verfügt. Die Mieterzielgruppe sind Menschen ab 60 Jahren. Schnell waren alle Einheiten vermietet, und die Bewohner und Bewohnerinnen erfreuen sich heute an den Annehmlichkeiten eines Neubaus und der guten Ausstattung, über die das Gebäude verfügt, allen Auflagen und dem engen Budget eines geförderten Wohnungsbaus zum Trotz. Lärmbelastung und das hohe Verkehrsaufkommen an dieser Stelle scheinen nicht im Fokus der Bewertung dieses Wohnraumangebotes zu stehen.

Für Barbara und Hans-Peter Hunckel war die Wohnung ein echter Glücksfall. »Wir haben vier Jahre lang gesucht«, sagt Barbara Hunckel, »und haben dabei einiges gesehen.« Sie mussten aus ihrer Wohnung in Lemsal-Mellingstedt ausziehen und etwas finden, was finanzierbar war. Doch in dem Segment, in dem sie suchten, war das Angebot rar, die Mitbewerber waren zahlreich und die Angebote selbst oft in jämmerlichem Zustand. Nach den vielen negativen Erfahrungen hat sie das Gebäude mit den tollen Eingängen und dem fast edel anmutenden Fahrstuhl begeistert.
»Es ist alles modern und einladend hier«, fasst Barbara Hunckel ihre Eindrücke zusammen. »Ich finde auch das Konzept großartig«, sagt Hans-Peter Hunckel.

»Unsere Kinder sagen immer: Mensch, ist das gemütlich bei euch!«

»Neben der Barrierefreiheit mit Fahrstuhl und bodengleichen Duschen gibt es hier einen Gemeinschaftsraum, den alle Mieter nutzen können.« Dass es einen separaten Fahrradkeller gibt, gefällt den Hunckels ebenfalls gut, denn sie haben kein Auto. Gefahren wird daher mit dem Rad, ins Niendorfer Gehege oder gleich um die Ecke zu Hagenbecks Tierpark, für den sie sich eine Jahreskarte besorgt haben – Ersatz für die nun nicht mehr so üppig vorhandene Portion Natur vor der Tür.

Ansonsten bewegen sie sich mit dem öffentlichen Nahverkehr, an den sie jetzt ja bestens angeschlossen sind. »Früher konnten wir zwar vom Wohnzimmer aus die Pferde auf der Koppel beobachten, dafür war der Weg zum nächsten Arzt und zum Einkaufen lang«, resümiert Hans-Peter Hunckel, und seine Frau ergänzt: »Natürlich gibt es schönere Wohngegenden, das ist ganz klar, aber wir haben uns gut eingelebt und fühlen uns wohl hier.« Und für beide endet damit auch eine wechselvolle Zeit des Suchens und der Rückschläge, und es kehrt endlich wieder Ruhe in den Alltag ein.

Im Gegensatz zu Ehepaar Hunckel sind Monika und Norbert Freymark fast aus der Nachbarschaft zugezogen. Über 36 Jahre lang hatten sie in einer Drei-Zimmer-Wohnung in der Alsenstraße in Altona-Nord gewohnt, in der auch die beiden Kinder groß geworden waren. Obwohl sie vieles mit ihrer alten Heimat verband, hatten sie doch gemerkt, dass das Leben im 3. Stock ohne Fahrstuhl anfing, beschwerlich zu werden. Nach der Besichtigung der Musterwohnung an der Neuen Ecke Stellingen im Mai 2015 stand für sie daher fest, dass der Ortswechsel eigentlich nur Positives bereithielt. Ihre Wohnung mieteten sie dann später sogar vom Papier, ohne sie vorher noch einmal gesehen zu haben. »Wir waren uns sicher, dass sie uns gefallen würde«, bestätigt Norbert Freymark. Und später kamen sie ab und zu an die Kreuzung

und haben den Baufortschrift fotografiert – »aus reiner Vorfreude auf den Bauabschluss und den nahenden Umzug«, verrät seine Frau. Heute haben sie es sich gemütlich eingerichtet und ihre Loggia in eine kleine Blumenoase verwandelt. »Früher hatten wir einen Balkon«, berichten beide, »den konnten wir aber aufgrund des Verkehrs in der Alsenstraße nie richtig nutzen. In unserer Loggia dagegen sitzen wir sehr viel, und es ist auch bei leicht geöffneten Glaselementen nicht zu laut.« Obwohl der Wechsel Monika Freymark beschäftigt hat, war sie bereits nach einer Woche so richtig in ihrer neuen Behausung angekommen. Letztlich brauchte dann wohl die stattliche grauweiße Katzendame Käthe, die mit den Freymarks umgezogen ist, am längsten, um sich in ihrer neuen Umgebung einzuleben.

»Es ist uns nicht schwergefallen, uns zu verkleinern. Das war hier ein echter Neuanfang für uns.«

Aus der Perspektive der Bewohner ist die Neue Ecke Stellingen also viel mehr als ein erfolgreiches Pilotprojekt, das beweist, dass innerstädtisches Leben auch gut an viel befahrenen Stellen möglich ist. Denn alle haben sie nach einem Zuhause für den nächsten Lebensabschnitt gesucht und dabei ihr »NESt« gefunden.

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