Ein Hauch Amsterdam

Ein Hauch Amsterdam 1024 683 HAMBURG TEAM
Urbanes Leben - Stadtentwicklung

Ein Hauch Amsterdam

Im Süden begrenzt vom Eilbek-, im Norden vom Osterbekkanal, besticht BARMBEK-SÜD mit seinen Wasserlagen. Hier am Alten Löschplatz treffen altes und neues Barmbek, Arbeiten und Wohnen zusammen und lassen einen Ort mit ganz besonderem Flair entstehen.

Betrachtet man Barmbek-Süd auf dem Stadtplan, dann fällt sofort das Straßennetz ins Auge. Die sechsspurige Hamburger Straße, eine Errungenschaft der autogerechten Stadt der Sechzigerjahre, scheint den Stadtteil regelrecht in zwei Hälften zu zerschneiden, bevor sich der Verkehr an der Dehnhaide auf mehrere Straßen verteilt. Am Barmbeker Markt ist man dann angekommen. Doch hinter diesem Namen verbirgt sich kein Marktplatz, kein urbaner Begegnungsraum,sondern nur eine große Kreuzung, an der die U-Bahn auf ihrem Viadukt vorbeizieht.

Nach einer gewachsenen Mitte des Stadtteils sucht man vergeblich. Die Trennung in Barmbek- Nord und Barmbek-Süd erfolgte Mitte des vergangenen Jahrhunderts aus verwaltungstechnischen Gründen, und vom ehemaligen Kern, dem Dorf Barmbek, das im Bereich der heutigen Hufnerstraße lag, ist heute nichts erhalten. Westlich der Schneise, die die Hamburger Straße in den Stadtteil schlägt, befinden sich noch Relikte vergangener Zeiten, die die Verwüstungen des Krieges überlebt haben, wie z. B. der alte Schützenhof, gelegen an der gleichnamigen Straße, und nur ein paar Schritte weiter Barmbeks ältestes Haus von 1860.

Dort, so wird erzählt, soll sich der legendäre Lord von Barmbek, örtlicher Einbrecherkönig zu Beginn des 20. Jahrhunderts, zeitweise als Kneipenwirt verdingt haben. In direkter Nachbarschaft liegt das Bartholomäus-Bad, das vor etwa 125 Jahren erbaut wurde, um im damals dicht bebauten Arbeiterviertel Barmbek die hygienischen Verhältnisse zu verbessern. Obwohl nicht mehr ganz original erhalten, ist es dennoch ein architektonisches Highlight. Heute hat sich für das Gebiet mit Straßennamen großer Musiker wie Bach, Mozart oder Beethoven der Begriff Komponistenviertel herausgebildet, und die Wohnlage gilt als etabliert. »Historisch betrachtet ist das eine erstaunliche Wendung«, sagt Reinhard Otto von der Geschichtswerkstatt Barmbek. »Hier befand sich damals das schlimmste, das am engsten bebaute und proletarischste Barmbek. Niemand aus den angrenzenden Stadtteilen Uhlenhorst oder Hohenfelde hätte damals freiwillig das Quartier um die Humboldtstraße betreten.« An manchen Ecken zeigen sich noch Überreste der früheren gründerzeitlichen Bebauung, einzelne Häuser, die allen Zerstörungen getrotzt haben und wie Solitäre aus der Nachkriegsbebauung ragen. Östlich der Hamburger Straße hat vor allem die Umorganisation des ehemaligen Krankenhauses AK Eilbek – Mitte des 20. Jahrhunderts fälschlicherweise so benannt, um es vom weiter nördlich gelegenen AK Barmbek abzugrenzen – Impulse für die Schaff ung von neuem Wohnraum gesetzt.

Eine Besonderheit dabei war, dass hier auch erstmalig viele Baugruppen gleichzeitig Grundstücke zur Verwirklichung ihrer Wohnungsbauprojekte erwerben konnten. Darunter auch die Baugemeinschaft »Tilsammans« mit dem schwarzen Haus, das sich durch seine herausfordernde Architektur von Paolo Fusi deutlich von den umliegenden Gebäuden absetzt. Der Ort mit dem angrenzenden neuen Friedrichsberger Park ist ein Paradies für Familien mit Kindern. Grüne Lage, verkehrsberuhigte Straßen, Schulen und Sportvereine im

direkten Umfeld. Gleichzeitig fährt man von der nahe gelegenen Dehnhaide nur exakt zehn Minuten mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof. »Ich empfinde das als echte Qualität, so zentral zu wohnen«, sagt Olaf Koring von Tilsammans. Nur was Kneipen und Restaurants angeht, da sehe es noch recht mager aus, sind sich die Baugruppenmitglieder einig und wünschen sich schon ein wenig mehr Urbanität so wie in Winterhude oder Ottensen.

Ein kleiner Lichtblick ist das »Café Schmidtchen«, das im vergangenen Jahr in das umgebaute Gebäude der ehemaligen Pathologie an der Friedrichsberger Straße eingezogen ist. Inhaber Falk Hocquel, der bereits Cafés an der Großen Elbstraße, in Othmarschen und an der Schanze betreibt, scheint an das Potenzial des Standortes zu glauben, an dem er nach einer recht komplizierten Planungszeit sein viertes Café eröffnet hat. Das schmackhafte Angebot an Torten und Frühstücksvarianten ist in jedem Fall ein sehr gutes Startkapital. Dass es hier im gewerblichen Sektor generell ein bisschen mehr sein dürfte, das meint auch Reinhard Otto: »Bei der Errichtung größerer Wohneinheiten sollte, auf den jeweiligen Standort bezogen, auch über die Einplanung zeitgemäßer Gewerbeflächen, z. B. für die Gastronomie, nachgedacht werden.« Eine Bereicherung für den Stadtteil wird in jedem Fall der moderne Entwurf eines Handwerkerund Gewerbehofs, den die steg Stadterneuerungsgesellschaft gerade an der Ecke Holsteinischer Kamp/Marschnerstraße plant. Kleine und mittlere Betriebe aus den Bereichen Handwerk, Craft, Kreativwirtschaft und Kultur sollen hier ein Zuhause finden. »Ausschlaggebend für die Standortwahl sind unter anderem die sehr gute Anbindung an die U-Bahn-Station Hamburger Straße sowie die Nähe zum HAW-Standort Finkenau gewesen«, erläutert Kurt Reinken, Projekt leiter der steg. »Denn neben etablierten Betrieben möchten wir vor allem junge Start-up-Unternehmen durch die zentrale Lage, günstige Mietpreise und einen innovativen Nutzermix ansprechen.«

Es bewegt sich also was im südlichen Barmbek. Und hier ist auch Bewegung im wahrsten Sinne des Wortes gemeint. Entlang der Eilenau ist zwischen Richardstraße und Friedrichsberger Straße als Teil der Veloroute 6 eine der ersten Fahrradstraßen Hamburgs entstanden, auf denen Fahrräder Vorfahrt haben und sich der übrige Verkehr unterordnen muss. »Ich finde, dass das den Stadtteil entschleunigt hat«, sagt Konrad Rothfuchs von Tilsammans. »Und das hat auch so einen Hauch Amsterdam.«

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