Weiterbauen als Leitmotiv

Weiterbauen als Leitmotiv 1024 683 HAMBURG TEAM
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Weiterbauen als Leitmotiv

Frank Pawlik ist Dipl.-Ing. Architekt mit eigenem Architekturbüro in Hamburg und war mit seinem Team für die Neuinterpretation des Torhauses zuständig.

Was wurde von der Gestalt des früheren Torhauses beim Neuentwurf gewahrt?

Zunächst wurde der Tordurchgang mit seinem originalen Bogenmaß und den flankierenden massiven Erkern übernommen, das Gebäude sozusagen um diesen herum geplant. Die Gliederung der Fassaden mit ihren vertikalen und horizontalen Friesen und Ziegelreliefs lieferte, ebenso wie die repetitive Reihung der Fensterelemente, die Vorlage für den Neuentwurf, den so eine gewisse Feinmaßstäblichkeit und Handwerklichkeit von üblichen modernen Gebäuden unterscheidet.

Altes Torhaus, Luftbild 2008
Visualisierung der Torhaus Apartments, 2014
Torhaus Apartments, Luftbild 2016
Worin zeigt sich die architektonische Neuinterpretation des Torhauses?

Da der Vorgänger, errichtet Anfang des vergangenen Jahrhunderts als ein- bis zweigeschossiges Eingangsgebäude mit großen Walmdächern, nach dem Krieg gestalterisch reduziert und mit einem Flachdach versehen worden war, war »Weiterbauen« das Leitmotiv. Der Neubau hat ein Attikageschoss erhalten, das sich in seiner Farbigkeit vom Volumen des ehemaligen Bestandes abhebt. Die Schichten der Geschichte haben wir identifiziert, subtil ablesbar gemacht und als Gliederungsebene über die Fassaden gelegt. Wichtig war es, keine historisierend-romantische Interpretation des Vorgängerbaus zu entwerfen, der diese Eigenschaft gar nicht hatte.

Woran erkennt man, dass man heute ein Wohngebäude vor sich hat?

Da es darum ging, das Erscheinungsbild des alten Torhauses zu transportieren, war dies tatsächlich eine anspruchsvolle Aufgabe, denn ein modernes Wohngebäude ist barrierefrei und somit ohne Sockel, hat wegen identischer Geschosshöhen keine Hierarchisierung in der Fassade und benötigt heutigen Ansprüchen genügende Balkone. Wir haben durch teilweise Zusammenfassung der Erd- und Obergeschossfassaden erreicht, dass der Neubau eine sockelartige Basis erhält. Die Balkone sind durch Materialstärke, Farbe und eine »leise« Detaillierung in die Fassaden eingewebt, msodass sie wenig räumliche Präsenz zeigen, mehr gliedernde Elemente sind. Die Vertrautheit des massiven Vorgängerbaus, verbunden mit der nun wieder möglichen Durchwegung des Tores an dieser exponierten Stelle zwischen Quartier und Stadtraum, konnte wiederhergestellt werde – glückliches Ergebnis eines langen Gedanken- und Bauprozesses.

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